wie alles anfing



vom Landy zum IFA und zur Iva

Teil I

Teil II
Teil III

So weit der Blick reicht - am Horizont im Osten eine dunkelgrau-violette Gewitterfront, Blitze, unendlich viele gleichzeitig. Das beindruckt. So ein Naturschauspiel haben wir zuhause in Deutschland noch nicht erlebt. Wir, Traudel und Udo, sitzen zusammen mit unseren ReisepartnerInnen Ralf, Simon, Steffi und Susi vor unseren Geländewagen auf einem Hochplateau bei Matmata in Mauretanien.

Wir hatten uns zusammengefunden, um gemeinsam die letzten hier lebenden Wüstenkrokodile aufzuspüren, aber auch weil wir Erfahrungen sammeln wollten, wie wir dieses extreme Wüstenklima im Juli und August mit Temperaturen um die 50 Grad Celsius verkraften würden. Die Sahara im Winterhalbjahr kannten wir bereits; von den Wetterbedingungen her ist diese Reiszeit für uns MitteleuropäerInnen sehr angenehm, obwohl es vor allem in den Nächten empfindlich kalt sein kann. Eben ein "kaltes Land mit einer heißen Sonne", wie hier die Einheimischen sagen.

Während wir noch unsere Tageserlebnisse austauschen, bricht dann doch unerwartet schnell die Gewitterfront über uns herein. Die Sturzbäche, die sich gleich über uns ergießen werden, kündigen sich mit riesigen Regentropfen, groß wie Tennisbälle , an. Wir schaffen es gerade noch, die wichtigsten Dinge zu verstauen und in die Autos zu flüchten. Schnell noch das Dachzelt des Land-Rover eingeklappt - Herr Faraday lässt grüßen - und dann sitzen wir beide in geduckter Haltung bei schwüler, stickiger Luft und fragen uns, ob wir eine längere Reise durch diesen wunderbaren Kontinent, wo wir Klimazonen mit zwei oder auch drei Regenzeiten passieren würden, so durchstehen könnten und wollten.

Dabei ist der Landy für uns einfach ein gigantisch guter und zuverlässiger Geländewagen, der gerade im schwierigen Gelände pure Fahrfreude vermittelt. Nicht nur bis Nouadhibou, von wo Traudel nach Hause fliegt - Udo bleiben noch mehr als 5000 Kilometer bis Mascherode - diskutieren wir das Für und Wider einer Afrikadurchquerung mit Landrover - Defender 110.

Drei Monate später: wir haben Spätherbst in Deutschland und Udo absolviert vorsorglich ein "Praktikum" bei Rover in Wolfsburg. Auch in der Rover-Werkstatt wird mit den dortigen Kollegen eifrig diskutiert - dann machen sie den Vorschlag, kauft euch doch einen IFA W 50. Ja, warum eigentlich nicht? Aber was ist ein IFA?

Zunächst aufschlauen - dann begeistern und entscheiden. Jawohl, wir wollen es wagen und einen IFA kaufen. Das Telefon läuft heiß... Dann ein Angebot von Thomas Klatt, einem Händler, der kurz vor Stettin wohnt. Aber was soll`s, da müssen wir hin. Die schöne Schorfheide kennen wir auch noch nicht. Es ist ein Donnerstag im November 2004. Auf dem Rückweg fällt die Entscheidung, den IFA kaufen wir.

Zwei Tage später, es ist Samstag. Wir frühstücken und Udo liest den Anzeigenteil der Braunschweiger Zeitung. Traudel staunt, denn üblicherweise fängt er mit dem Wirtschaftsteil an. Ein passendes Gefährt haben wir jetzt, was gibt's denn noch zu kaufen!? Sein Blick wird gefesselt von einer Anzeige: Rhodesian Ridgeback Welpen zu verkaufen, bei Paderborn! Haben wir nicht vorgestern ein geräumiges Auto gekauft, um endlich wieder einen Hund haben zu können, ein drittes Teammitglied für die Reise?

Also sofort angerufen und für den nächsten Tag einen Termin vereinbart. Wir unternehmen einen Sonntagsausflug der etwas anderen Art und machen uns frühmorgens erwartungsvoll auf den Weg nach Salzkotten zu Petra Rodejohann. Auf der Rückfahrt : Aufschlauen, begeistern und entscheiden. Klar ist : wir nehmen den kleinsten Welpen aus der "Viererbande" - sie heisst "Diva von Ananzi". Eine Woche später holen wir unseren Ridgeback, der jetzt IVA heisst, nach Mascherode. Der IFA aber steht noch in Steinhöfel und wird erst Ende Februar 2005 von Udo bei heftigstem Schneetreiben überführt.

Wohin jetzt mit diesem Ungetüm? Vor der eigenen Haustüre abstellen? "Begeistrung ist keine Heringsware" und schon garnicht auf ahnungslose NachbarInnen zu übertragen! Wir freuen uns daher wie die "Stinte", als uns unser Freund Norbert eine Halle in der Marienberger Strasse überlässt. Da kommt er nun hin der IFA, um sich zu einem geländegängigen Wohnmobil oder vielleicht besser wohnmobilähnlichem Geländewagen zu wandeln. Ab März 2005 wird gebaut.

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Planung Um- und Ausbau

Teil II

Seit dem Kauf des IFA haben wir die Zeit eifrigst genutzt, Pläne zum Ausbau zu schmieden: Wie kann ein optimaler Grundriss der Wohnkabine aussehen, welche Einbauten wären sinnvoll, welche Technik soll eingebaut werden und so weiter... So etwas macht uns Spaß, da können wir uns ungehindert austoben. Klar, wir wollen ein Expeditionsfahrzeug und kein fahrendes Sofa. Wir brauchen also einen soliden Ausbau, aber "bitte mit Sahne" sprich mit etwas Komfort : Wasch-/Duschraum mit Toilette, getrennte Bett- und Sitzecke, genügend Stauräume für Ersatzteile, Werkzeuge, Wasser, Gas, Proviant, Kartenmaterial, Literatur, Kameras, Laptops, Outdoorkleidung; auch eine Küche mit Kochfeld, Spüle, Kühlschrank. Und einen Backofen nicht zu vergessen. Jadoch, der Backofen muss auch sein. Während unserer kleinen Kameltour vor einigen Jahren im Süden Tunesiens haben wir zwar gelernt, mit der Glut des Lagerfeuers Fladenbrot im Sand zu backen. Was aber ist, wenn weder Sand noch Bäcker aufzutreiben sind? Ganz zu schweigen vom Geburtstagskuchen, den der "Hausherr" schwerlich missen möchte.

Jetzt kann's richtig losgehen. Mit Jörgen vom AMR in Lüneburg haben wir einen sehr kompetenten Partner für die Feinplanung und den Kauf der technischen Geräte gefunden. Aber bevor alle Geräte und Materialien ausgeliefert werden, müssen an dem IFA noch Grundarbeiten geleistet werden: zunächst wird in mühevoller Kleinarbeit der militärgrüne Lack abgeschliffen, da auf dem afrikanischen Kontinent diese Farbe für Privatfahrzeuge nicht erlaubt ist. Die Wohnkabine selbst muss entkernt und gesäubert werden.

Wir haben uns entschieden, die sechs vorhandenen Fenster auszubauen und durch Seitz-Fenster mit Rollo und Moskitoschutz zu ersetzen, zwei weitere sollen hinzukommen. Also müssen acht Öffnungen im GFK Koffer vorbereitet werden. Eine wahre "Drecksarbeit" und nicht sonderlich gesundheitszuträglich. Ein Durchgang zum Fahrerhaus muss her, damit Iva auch mitfahren kann. Schließlich beträgt die Einstiegshöhe vorne in die Fahrkabine gut 1,4 Meter. Die kann sie am hinteren Eingang über eine breite Leiter gut bewältigen, nicht jedoch vorne über mit Einstieg über den Reifen.

Wir entschließen uns, zwei bzw. drei 3cm X-tremIsolation im Dachbereich, den Seiten und auf dem Boden zu verkleben. Wir haben kalte Wintertage, da drängt sich der Wunsch nach einer Heizung und warmen Wasser geradezu auf, also soll eine Truma Gastherme her, ein Boiler mit Heizung. Eine Toilette ist ebensfalls ein Muss, das wissen wir von verschiedenen Fahrten nach Libyen, Algerien, Marokko oder Mauretanien. Auch in den entlegensten Gegenden leben Menschen mit ihren Tieren, die wir auf keinen Fall belästigen möchten.

Wir wollen nicht nur fahren, sondern reisen und auch mal "urlauben". Dort wo es besonders schön ist, auch ein paar Tage stehen. Um das realisieren zu können, werden wir Solarenergie benötigen, um die Bordbatterien aufladen zu können. Zum gleichen Zweck, und für mehr, entschließen wir uns, ein Stromaggregat mitzunehmen.

Outdoor-Möbel, auch zwei Liegen werden erstanden. Und war da nicht eine patente Markise am T3 von Susi und Ralf ? Das Ding war unschlagbar als Schattenspender, schnell auszukurbeln und schwupp war sie nach der Pause auch wieder drin. Also dann: die Markise auch noch rasch bestellt verbunden mit ersten leisen Zweifeln, ob das wohl alles zu verstauen ist.

Ein Ridgeback, so auch unsere IVA, will am Tag mindestens 20 Kilometer bewegt werden. Kein Problem im Mascheroder Wald, aber da "unten" im Süden? Hinterm Auto herlaufen lassen, kommt nicht so gut, also müssen Herrchen und/oder Frauchen sich auch bewegen. Also brauchen die Räder auch noch ein Plätzchen.

Hinzu kommen Scheinwerfer und natürlich auch eine Fanfare, damit man uns besser hört mit der serienmäßigen Quäke.

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Teil II

Teil III

jetzt geht`s los mit Schufften

Die Arbeit ruft. Anpacken für Alle heißt es. Zunächst muss alles raus. Nach der Grundreinigung wird Rost weggeschmirgelt, es wird grundiert, der Unterbodenschutz gesprüht bzw. gestrichen und ein neuer Holzboden verlegt. Wir entschließen uns, die vorhandenen sechs Fenster auszubauen und durch neue mit Sonnenschutz und Moskitonetzen zu ersetzen. Also dann die Fenster raus, danach den alten Lack abschleifen... Und dann kommt's so wie man sich den "Heimwerker" so beim "Basteln" sprich beim Arbeiten auf der Dachschräge vorstellt. In etwa 2,7 Meter Höhe hält`s die Leiter nicht mehr und Udo macht einen Abgang auf den Betonboden der Werkshalle. Die Fußsohlen sehen danach nicht mehr ganz so gut aus und die Wirbelsäule ist auch gestaucht. Gehen bereitet jetzt Probleme und ist nur mehr mit Gehhilfen möglich.

Wie war das, wollten wir nicht Anfang September so weit fertig sein mit Um- und Ausbau, um mit dem "neuen" IFA nach Amelinghausen zum AMR-Treff zu fahren?
Der Zeitplan ist nicht mehr zu halten, denkt Traudel und Udo träumt weiter von einem schönen Urlaub Anfang September...

Der Koffer wird jetzt mittels Gabelstapler abgesetzt und steht auf dem Hallenboden, die Arbeitssicherexpertin hat entschieden.
Die ungeplante Zwangspause hat ihr Gutes: alle Feinplanungen können noch einmal durchdacht und diskutiert werden.

Ende Mai geht's weiter mit dem Um- und Ausbau: außen Lackieren, Fenster rein, Markise ran. Danach kommen die Möbeleinbauten und das Verlegen der Leitungen (Gas, Wasser, Elektrizität). Es ist Ende August und der IFA noch immer eine einzige Baustelle. Diese entpuppt sich immer mehr zu der Parallele Hausneubau oder Umbau: Aufwändiger als gedacht, kostet mehr Zeit als je gedacht und übersteigt das veranschlagte Budget bei einigen Positionen um ein Vielfaches. Es kann einem davon schwindelig werden. Pauschaltourismus ist dagegen ein Sonntagsspaziergang.

Warum sind wir nur so versessen? Aber Zweifel sind nicht zugelassen, es geht weiter und es muss weitergehen.

Guido kommt jetzt öfter in die Halle, aber nicht wie früher, um mit uns die Entwicklung der WASG zu diskutieren, sondern als echter Linker zeigt er Solidarität. Jetzt wird mitangepackt. Dabei entpuppt er sich nicht nur als witziger Aufmunterer, sondern als hervorragender Problemlöser. Heimlich avanciert er zum Chefkonstrukteur.

So wie das Reserverad am IFA untergebracht ist (hinten, an einem Kran), so geht es nicht; da muss doch noch eine zweite Reserve-Decke her. Wir lösen das Problem durch eine Art Mini-Terrasse-Balkon. Jawohl, den wollte Traudel sowieso haben. Tür auf und dann auf die schmale Leiter, das taugt nichts, schon gar nicht für Iva.

So vergeht Tag um Tag: nach dem Gassigehen mit Iva geht's in die Halle bis der Hund jämmerlich klagt, weil er sein Lauftalente ausprobieren und demonstrieren will.

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