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Ein Traum erfüllt sich: Zwei Jahre durch Afrika

Udo Klitzke und seine Frau wollen Ostern starten - Abenteuer im Rentenalter - Riesiger Lastwagen als Wohnung auf Zeit

Von Jörn Stachura

Uff, entfährt es einem automatisch, wenn man direkt vor dem Ifa steht: Was für ein Monstrum von Lastwagen! 3,50 Meter ist er hoch, und riesig ist auch der Aufbau, den er trägt.

Muss er auch, denn für zwei Jahre soll er Wohnung auf Zeit für die Mascheroder Udo und Traudel Klitzke sein, die mit ihrem Ifa Afrika umrunden wollen.

Zwei Jahre in Afrika auf Achse zu sein, das sei schon immer ihr gemeinsamer Traum gewesen, sagt Traudel Klitzke. "Denn wenn man berufstätig ist, erhält man höchstens 3 Wochen Urlaub am Stück. Erst im Ruhestand kann man solche Träume verwirklichen." Und im Ruhestand sind beide jetzt.

Dass es unbedingt Afrika als Reiseziel sein muss, kommt natürlich nicht von ungefähr. Seit Jahren bereits zog es das Ehepaar in jedem großen Urlaub in den Norden Afrikas. In ihrem Landrover waren sie auf Pisten unterwegs, die auch die Rallye-Dakar-Piloten unter die Reifen nahmen; und sie gehörten auch zu den Glücklichen, die unbeschadet aus jener Gegend der Sahara zurückkehrten, in der vor drei Jahren Wüstenfahrer entführt wurden.

Also eine Suche nach dem Abenteuer im Rentenalter? Ja, sagen beide, das spiele mit hinein. Doch das Risiko, das suchten sie gewiss nicht. "Wir sind schließlich nicht die Ersten, die im eigenen Wagen Afrika umrunden wollen."

Über Stock und Stein

So war es dann auch kein Wunder, dass ihre Wahl auf den Ifa fiel. Denn er erfüllt nahezu perfekt die Anforderungen für Fahrten über Stock und Stein. Allrad-Antrieb, robuster Leiterrahmen und ein schier unverwüstlicher Dieselmotor. Vier Zylinder, mächtige 6,5 Liter Hubraum. Der 600-Liter-Tank erlaubt eine Reichweite von 3000 Kilometern.

20 Jahre hat der Ifa bereits auf dem Buckel, doch keine 7000 Kilometer stehen auf dem Tacho. Seit des Mauerfalls stand der ehemalige NVA-Werkstattwagen. Nach einer Generalüberholung darf er jedoch als neuwertig gelten.

Doch was am stärksten für den DDR-Laster sprach: keinerlei Motor-Elektronik. "Denn wenn ein Elektronik-Fehler auftritt, wer soll den in Afrika beheben?", sagt Udo Klitzke. Und so findet sich die einzige Elektronik im Inneren des ehemaligen NVA-Werkstattwagens. Sie regelt die Energie, die auf dem Dach eine Solaranlage gewinnt, um die elektrischen Verbraucher zu speisen. Zum Beispiel den Kühlschrank. Ein teures Spezialgerät. So wie auch der Herd mit Backofen. "Man würde wahrscheinlich am falschen Ende sparen, wenn man auf Baumarkt-Qualität vertraut", sagt Traudel Klitzke.

Doch die Geräte sind der einzige Luxus im Innern. Sieht man einmal von einem großen Bett ab. "Man muss immer damit rechnen, unterwegs zu erkranken. Und dann in einer winzigen Koje liegen zu müssen, ist wenig erbaulich", meint Udo Klitzke.

Den Innenausbau hat das Ehepaar übrigens größtenteils in Eigenarbeit erledigt. Nur komplizierte Tischlerarbeiten wurden in Auftrag gegeben. Selbst die Innenverkabelung erledigten sie selbst, wobei das Kabelverbinden und Anschließen vorsichtshalber bei einem Elektriker in Auftrag gegeben wurde.

Viel zu erzählen

Ostern soll es endlich los gehen. Bis dahin werden die letzten Arbeiten erledigt sein, und dann soll auch die Route feststehen. Entweder, erzählt Traudel Klitzke, im Konvoi mit einem weiteren Wüstenfahrer über Ägypten zum Horn von Afrika und dann weiter Richtung Kap der guten Hoffnung. Oder aber erst allein nach Marokko und von dort über Mauretanien zum Golf von Guinea und von dort durch die Namib-Wüste Richtung Südafrika. Zurück würde es dann entlang der Ostküste Afrikas gehen.

Eins steht aber jetzt schon fest: Bei ihrer Rückkehr werden sie viel zu erzählen haben.

BS-Zeitung, Montag, 06.03.2006




Auf nach Afrika

Stadtgefüster

Abfahrt

Abfahrt: Im geländegängigen IFA-Laster sind Traudel und Udo Klitzke zur Umrundung Afrikas aufgebrochen. Mit dabei: Ridgeback Iva.
Foto: Taylor

 

Für Traudel und Udo Klitzke geht ein Traum in Erfüllung. Zwei Jahre wird das Mascheroder Ehepaar auf eigene Faust Afrika erkunden. Zur Abschiedsparty des ehemaligen 1.Bevollmächtigten der IG Metall Braunschweig waren Weggefährten des Ehepaares gekommen: Freunde, Betriebsräte und natürlich viele Metaller.


BS-Zeitung, Freitag, 21.04.2006